Zirkumzision

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Bei der Zirkumzision (auch Beschneidung oder Circumcision) wird die Vorhaut des Penis komplett oder auch teilweise enfernt.

450px-Penis, in Deutschland beschnitten (45-jähr., mit 25 beschn.).jpg

Gründe

Wenn man sich anschaut, warum eine Zirkumzision durchgeführt wird, kommen die Argumente zumeist aus den folgenden Themenkreisen

  • Religion
  • Kultur
  • Medizinische Indikation
  • Ästhetik
  • Erwartung sexueller Vorteile

Religiöse Motivation

Außer zahlreichen archaischen Naturreligionen, in denen die Jungen mit Eintritt in die Pubertät beschnitten werden, gibt es zwei der großen Weltreligionen, der Islam und das Judentum, in denen die Zirkumzision ein mehr oder weniger zentraler Bestandteil der Religionszugehörigkeit ist. Dabei handelt es sich entweder um einen allgemeinen Grundsatz der Religionskultur (im Islam gehört die Zirkumzision zu den Reinheitsgeboten), oder um eine verpflichtende Voraussetzung für die Religionszugehörigkeit (Judentum). Auch der Zeitpunkt der Beschneidung ist unterschiedlich; jüdische Jungen werden am achten Tag nach der Geburt beschnitten, bei muslimischen Jungen geschieht das häufig erst einige Jahre vor der Pubertät.

Kulturelle Motivation

In vielen Ländern oder Kulturkreisen gehört die Zirkumzision zu den kulturellen Gepflogenheiten; hier sind vor allem die USA zu nennen. Dort liegt der Ursprung in England, wo man im 19. Jahrhundert über Mittel zur Eindämmung der Masturbation nachdachte (allerdings wohl kaum mit nachhaltigem Erfolg!). Von dort kam der Brauch in zahlreiche englischsprachige Länder, vor allem in diejenigen des Commonwealth und in die USA, wo in den 1970er Jahren bis zu 80 % der Jungen und Männer zumeist seit dem Säuglingsalter beschnitten waren; seither nimmt dort die Tendenz geringfügig ab. In Europa ist eine kulturelle Motivation inzwischen nur noch in Einzelfällen gegeben, jedoch nicht mehr gesamtgesellschaftlich; in Großbritannien werden aktuell weniger als 10 % der Jungen und Männer beschnitten; in Skandinavien gibt es teilweise sogar schon Gesetze gegen die Säuglingsbeschneidung. In Spanien und Portugal gehört es für viele traditionelle und reiche Familien zum gesellschaftlichen Status, dass die Jungen beschnitten werden; ebenso in manchen Ländern Afrikas, Süd- und Mittelamerikas, Ozeaniens und in Ländern mit vorwiegendem oder prägendem islamischen Bevölkerungsanteil, wo auch nicht-muslimische Familien dem Mainstream der Beschneidung folgen, z.B. auf den Philippinen. Durch den Einfluss der USA sind in Süd-Korea mehr als 80% der Jungs und Männer beschnitten; es ist das Land mit der aktuell höchsten Rate an Beschnittenen.

Medizinische Indikation

Die Zirkumzision ist weltweit der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt; sie ist die am häufigsten durchgeführte Therapieform bei einer Phimose, für die es in vielen Fällen durchaus alternative Therapien gibt.

Ästhetische Motivation

Klar, auch das gibt es. Ein beschnittener Schwanz kann durchaus geiler aussehen - das liegt vor allem im Auge des Betrachters.

Viele Erotikkünstler sind wohl nicht nur beschnitten, weil sie aus den USA stammen, sondern sicherlich auch, weil sich Pornos, in denen beschnittene Schwänze zu sehen sind, auf dem US-Markt besser verkaufen lassen. Das allerdings ist auch in Europa zunehmend ein Argument; zumindest spielt es für viele Schwule (aber auch für Frauen, die sich Pornos ansehen) auch hierzulande eine Rolle, ob die Models eine Vorhaut haben oder nicht.

Beim Aussehen des Schwanzes geht es zumeist darum, ob einem Menschen (bei sich selbst, beim Gegenüber oder generell) die Vorhaut als Teil des Penis gefällt oder eben nicht. Der schlaffe Schwanz mit Vorhaut ist teils eher konturlos; gelegentlich sieht man dann kaum mehr als eben nur die Vorhaut mit einem etwas dickeren, unkonturierten Inhalt. Im Gegensatz dazu ist der beschnittene Schwanz "streamlined"; er hat, auch im schlaffen Zustand, wenige oder gar keine Hautfalten und die Eichelfurche liegt ständig frei, was den Eichelkranz deutlich hervorspringen lässt - ein Effekt, der durch die Wäsche oder sogar durch die Hose sichtbar sein kann. Außerdem ist die Eichel am unbeschnittenen Schwanz eher feucht, tendenziell empfindlich, manchmal leicht klebrig und oft rötlich; am beschnittenen Schwanz ist sie, zumindest nach einiger Zeit, eher samtig, auch trockener und ähnelt damit eher der übrigen, derberen Haut.

Auch hat ein beschnittener Schwanz häufig ein angenehmeres 'Aroma' - aber auch hier sind die Geschmäcker sehr unterschiedlich. Was Geruch und Geschmack angeht, ist Smegma, die weißliche Ablagerung unter der Vorhaut bei mangelhafter Hygiene, für den einen eine aufreizende Angelegenheit; für den anderen ist es der totale Sexkiller. An beschnittenen Schwänzen gibt es jedenfalls keinerlei Smegma.


Erwartung sexueller Vorteile

Schon in vielen Naturvölkern, in denen die Beschneidung geübt wird, steht ein tatsächlicher oder angenommener Vorteil des beschnittenen Penis beim Sex im Vordergrund. Zahlreiche Männer, die sich heute ohne medizinischen Grund freiwillig beschneiden lassen, fühlen, vermuten oder argumentieren genauso. Dabei geht es vor allem um die tatsächliche Erfahrung vieler Beschnittener, dass sie länger bis zum Orgasmus aushalten - vorzeitiger Samenerguss ist bei Beschnittenen seltener. Die freiliegende Eichel stumpft mit der Zeit ab. Außerdem berichten Männer, die als Erwachsene beschnitten wurden, dass sie im Vergleich den unmittelbaren Kontakt der Eichel mit der Hand, dem Partner oder der Kleidung als sehr viel geiler empfinden, als dies vorher mit Vorhaut der Fall war. Aber schon die genannten ästhetischen Gründe können unmittelbar mit erwarteten sexuellen Vorteilen zusammenhängen: Viele freiwillig Beschnittene berichten, dass sie vor der eigenen Beschneidung schon von dem Geruch ihres Schwanzes (siehe "Smegma", weiter oben), aber auch von ihrer Vorhaut selbst sexuell eher abgetörnt wurden. Allein der Gedanke, beschnitten zu sein und dazu eventuell auch noch mit einem ebenfalls beschnittenen Mann Sex zu haben, würde sie so antörnen, dass sich ihr Sex dadurch massiv verbessert hat. Dabei sorgt schon das Denken an die Berührung der nackten Eichel oder das Gefühl, ständig, also auch im Alltag und unter der Kleidung, einen beschnittenen Schwanz zu haben, für ein stark gesteigertes Lustempfinden. Gelegentlich führt der daraus entstehende "Stolz" auf die eigene Vorhautlosigkeit auch zu einem gewissen Maß an Exhibitionismus, beispielsweise in der Sauna, unter der Schwimmbad- oder Sportdusche oder beim FKK.


Zirkumzision aus schwuler Sicht

Gibt es eigentlich eine besondere, schwule Sichtweise zum Thema Zirkumzision? Sicherlich nicht nur eine; aber alle unterschiedlichen Ansichten, die von den jeweiligen Vorlieben abhängen, zeigen, dass der Schwanz, um dessen Veränderung es bei der Zirkumzision geht, von Schwulen natürlich ganz besonders engagiert "bedacht" wird. Dabei gibt es der Sache entsprechend drei grundsätzliche Haltungen: die engagierten Befürworter der Vorhautlosigkeit und damit der Zirkumzision; die kämpferischen Streiter FÜR die Vorhaut, und zwar um (fast) jeden Preis; und schließlich diejenigen, denen es ziemlich egal ist, ob ihr Partner eine Vorhaut hat oder nicht, oder die sogar für sich selbst nicht wissen, was sie am eigenen Schwanz besser finden. Eine solche Unentschiedenheit ist aber unter Schwulen ziemlich selten.

In Deutschland, aber auch in anderen Ländern, gibt es in der Community inzwischen viele auch entsprechend organisierte Männer, die sich selbst als "Beschneidungsgegner" oder als "Beschneidungsfans" oder besser: als "Fans beschnittener Schwänze" sehen und entsprechend werben und ihre Vorliebe ausleben; nämlich selbst mit oder ohne Vorhaut zu sein und/oder ausschließlich entsprechend ausgestattete Partner zu suchen und zu haben. Unter dem international agierenden Kürzel "NOCIRC" treten auch viele Schwule offen GEGEN Beschneidungen auf. Die größte deutsche Organisation, die FÜR die Beschneidung wirbt und Männer entsprechend berät, ist "EUROCIRC". Dahinter steht der nur für Beschnittene offene "CUTTING CLUB", der ebenfalls vorwiegend schwule Männer mit der Vorliebe für vorhautlose Schwänze vereinigt. Alle drei Organisationen unterhalten umfangreiche Internetseiten mit Foren, Chats und Links, so dass neben der großen Informationsmenge hier auch der Austausch unter schwulen Männern zum Thema Beschneidung stattfindet. Noch mehr Information, vor allem auch Bildmaterial, bietet die ebenfalls international auftretende Internetseite "CIRCLIST", von der auch eine deutsche Ausgabe existiert.

Einige wichtige Aspekte sollte jeder, der eine Zirkumzision erwägt, aber keinesfalls außer Acht lassen:

  • Eine Zirkumzision ist irreversibel - lässt sich also nicht rückgängig machen (entgegen anderslautenden Äußerungen sind "Vorhautrekonstruktionen" nur sehr selten zufriedenstellend)
  • Eine Beschneidung der Vorhaut sollte nur nach gründlicher Überlegung und Information und immer nur freiwillig, niemals unter Zwang oder Druck von außen geschehen; Druck, der eventuell vom Partner, aber durchaus auch von Ärzten kommen kann. Wenn man auf seine Vorhaut unter keinen Umständen verzichten will, kann man in den meisten Fällen auch mit einer Phimose alt werden - auch wenn das zum Teil mit massiven Einschränkungen und gesundheitlichen Problemen einher gehen kann; denn beispielsweise kann der Sex je nach Ausprägung der Vorhautverengung auf Dauer schmerzhaft sein oder zu wiederholten Verletzungen führen; ganz zu schweigen davon, wenn Eichel und Vorhautinnenseite bei der Körperpflege nicht erreicht werden können, was ernsthaften Krankheiten Vorschub leisten kann.
  • Eine Beschneidung ist ein medizinischer Eingriff und kann allein deshalb mit Risiken verbunden sein, über die man sich vorher aufklären lassen muss. Risiken bestehen nicht generell in allen Fällen und in gleichem Umfang; deshalb ist eine individuelle Beratung nötig. Diese Beratung sollte nicht unmittelbar vor der Beschneidung selbst erfolgen, sondern mindestens einige Tage vorher, damit man die Vor- und Nachteile in Ruhe abwägen kann.
  • Ein beschnittener Schwanz sieht nicht nur anders aus, er fühlt sich auch anders an, und zwar für den Beschnittenen selbst und für seinen Partner ebenso. Zwar ist oben in diesem Text und auf zahlreichen anderen Info-Seiten und in Foren im Netz diese Andersartigkeit des beschnittenen Schwanzes beschrieben, und zwar auch von "Betroffenen", die beide Zustände, "vorher" und "nachher", bewusst kennengelernt haben. Die eigene Erfahrung ist mit solchen Berichten von anderen aber niemals vorwegzunehmen; sie kann eventuell auch anders ausfallen, als man es sich vorher vorgestellt hat. Um sich das eigene Beschnittensein dennoch schon ein wenig vorstellen zu können, solange man noch seine Vorhaut hat, kann man die Vorhaut zur Simulation des beschnittenen Zustandes mit Hilfe von kleinen Klebe-Tapes in zurückgestreifter Stellung fixieren. Anleitungen dazu werden in den oben genannten Internet-Foren gegeben. Wenn der Eichelkranz stark ausgeprägt ist, kann die zurückgestreifte Vorhaut vielleicht auch ohne solche Hilfsmittel, sogar bei vollständig "geschrumpftem" Schwanz, hinter der Eichel bleiben, um so den Zustand ohne Vorhaut zu simulieren. Solche Tests, die man andauernd und über mehrere Wochen ausführen (und aushalten!) sollte, können helfen, den Schwanz auch schon vor der Beschneidung an den künftigen Zustand zu gewöhnen. Leider stehen diese Möglichkeiten zur Simulation nur demjenigen zur Verfügung, der keine Vorhautverengung hat.

siehe auch

  • Beschneidung - der Artikel beschreibt mehr den religiös kulturellen Aspekt der Knaben- und Mädchenbeschneidung

Weiter Informationen / Links