Gefangen in Babel: Unterschied zwischen den Versionen

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* [https://www.2mecs.de/wp/2012/07/felice-picano-the-lure/ Ulrich Würdemann / 2mecs: Picano ‘ The Lure ‘ – Zeugnis schwulen Selbstbewusstseins in den 1970ern]

Aktuelle Version vom 23. Februar 2015, 10:52 Uhr

Gefangen in Babel (auch Der Köder, englisches Original The Lure) aus dem Jahr 1979 ist der erste Roman des US-Autors Felice Picano, und der vermutlich erste Bestseller überhaupt mit schwulem Inhalt.

Handlung

Noel Cummings ist wie so oft früh morgens mit seinem Fahrrad unterwegs. Ein Geräusch, ungewohnt so früh am Morgen, weckt seine Aufmerksamkeit. Wird er gerade Zeuge eines Mordes? Von einem etwas zwielichtigen, undurchschaubaren Agenten der New Yorker Polizei lässt er sich überreden, als verdeckter Ermittler in die Schwulenszene der Stadt einzutauchen, als ‘Köder’ (engl. lure) für den Mörder. Noel wird bald zum Objekt der Begierde – und mehr als das. Er wird Subjekt, beginnt seine eigene Homosexualität zu entdecken und, zunächst vorsichtig tastend, zu leben. Taucht dabei tief ein in die New Yorker Schwulenszene, Bars und Bar-Betreiber, wohlhabende Schwule und Männer, die sich engagieren – engagieren wofür? Immer bleibt er dabei auf der Suche – nach dem Mörder, im Auftrag der Polizei. Oder?

Über den Roman

“The Lure” war der erste Roman des 1944 in New York geborenen Felice Picano, ein Thriller, 1979 erschienen (Lawrence / Delacorte, New York) – und einer der ersten Bestseller mit schwulem Thema überhaupt. Auf deutsch erschien ‘The Lure’ erstmals 1981 unter dem Titel ‘Gefangen in Babel’ (Schweizer Verlagshaus Zürich / Droemer Knaur, 1981; Übersetzung Kurt Wagenseil und Heinrich Zweifel). Eine zweite deutsche Ausgabe erschien Jahre später unter dem Titel ‘Der Köder’ (Albino Verlag Berlin 1993, 2. Aufl. 1996). Zudem gab es kurzzeitig (zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten, damals sehr hochpreisigen deutschsprachigen Ausgabe) einen deutschsprachigen Raubdruckdruck, der in USA gedruckt worden war.

Picano selbst beschreibt ‘The Lure’ 1996 in einem Interview als „the first and only gay mystery thriller“ – ein Thriller, der zudem erzählte, wie die Schwulenszene der 1970er Jahre entstand (und indirekt an in Vergessenheit geratende Errungenschaften und Heldinnen und Helden erinnert):

„Those who formed gay culture in the 70s did so despite overwhelming opposition and indifference. They didn’t know what they were doing, only that they had to do it. Many, many of them, men and women, are dead of AIDS and cancer. They were heroes. If we stand tall today it’s because we’re standing on the shoulders of giants, princes, queens, and butches. I think we should honor and salute them.“

‘The Lure’ wirkte bei seinem Erschienen beinahe wie ein Gegen-Entwurf zum kurz zuvor 1980 herausgekommenen (von vielen Schwulen als homophob empfundenen) Film ‘Cruising’ von William Friedkin. Der (zunächst heterosexuelle) Protagonist entwickelt sich hier nicht (wie in ‘Cruising’) degeneriert zum mordenden schwulen Zombie, sondern ‘in Richtung eines vollwertigen Schwulseins’ („in favor of a fully fledged gayness“, Davidson 2005).

Literatur

Brian Ray Fruth 2007: “Media Reception, sexual identity, and public space”

Owen Keehnen 1996: “The Best is yet to come: A Talk with Felice Picano”

Guy R. Davidson 2005: Contagious Relations: Simulation, Paranoia, and the Postmodern Condition in William Friedkin’s ‘Cruising’ and Felice Picano’s ‘The Lure’

Weblinks