AIDS-Impfung

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In den 80ern hieß es, in wenigen Jahren werde es einen Impfstoff gegen HIV geben. Heute traut sich kaum ein Wissenschaftler mehr, eine halbwegs verlässliche Prognose abzugeben. Der Grund liegt in der Vielfalt und in der Veränderbarkeit des Virus: Verschiedene Subtypen mit verschiedenen Bauplänen, Mischtypen dieser Subtypen - so genannte Rekombinanten - und die genetische Wandelbarkeit des Virus machen es der Forschung besonders schwer.

Als 1996 der Siegeszug der medikamentösen Therapie begann und man (allzu optimistisch) erwartete, dass man mit ihrer Hilfe HIV aus dem Körper entfernen könne, wurden die Forschungsmittel für die Impfstoffentwicklung gekürzt. Es erschien aussichtsreicher, sie in die Medikamentenentwicklung zu stecken. Nachdem man die Grenzen der neuen Therapie erkennen musste, wird seit einigen Jahren wieder verstärkt in die Impfstoffforschung investiert -unter anderem unterstützt auch die Deutsche AIDS-Stiftung diese weltweiten Bemühungen. Inzwischen sind zahlreiche Impfstoffe in der Entwicklung.

Neueste Entwicklung

Nach sehr vielen Rückschlägen - wie z.B. die fehlgeschlagene Merck-Impfstudie, dessen Ergebnis war, daß der Impfstoff die Ansteckungsgefahr eher erhöht als gesenkt hat, kam es 2009 endlich zu einem geringen Teilerfolg: Bei der RV144-Großstudie, an der in Thailand mehr als 16.000 Probanden teilnahmen, bekamen die Hälfte den Impfstoff, die andere Hälfte Plazebo. Statistisch signifikant weniger Menschen mit dem Impfstoff infizierten sich an HIV als diejenigen mit Plazebo (also ohne Impfstoff). Der Impfstoff ist somit der erste, der statisch signifikant (also höher als das statistische Grundrauschen) schützt. Somit ist bewiesen, daß ein vollwertiger Impfschutz zumindest theoretisch möglich ist. Allerdings schützt der Impfstoff nur zu 30% (wer also mit diesem Impfstoff barebackt, bekommt also nur zu 70% Wahrscheinlichkeit ein HIV, d.h. der Impfschutz ist noch äußerst mangelhaft). Somit sind noch viele Jahre (oder gar Jahrzehnte) an Forschung und Entwicklung nötig, um einen Impfstoff zu entwickeln, der >90% schützt und somit anwendungsfähig ist.

Grundlagenforschung

Während alle bisherigen Impfstoffe - auch der einzig wirksame Impfstoff der RV144-Großstudie - auf dem Hintergrund der Gentechnik basieren (auf dem Gebiet der Gentechnik wurde zwei Jahrzehnte auf vielen Krankheitsgebieten mit sehr hohem Aufwand sehr viel geforscht - die Ergebnisse waren allesamt gering), wird heutzutage an einem Konzept geforscht, das auf dem Hintergrund der Immunologie basiert.

Das Konzept ist wie folgt: Es ist bekannt, daß ca. 10% der HIV-Positiven, die sich nicht therapieren lassen, auch nach der w:Inkubationszeit von 10 Jahren nicht an AIDS erkranken. Diese sog. Langzeitüberlebenden wurden in diversen Projekten näher untersucht. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge sind diese in der Lage, zwei wirksame w:Antikörper zu entwickeln, die in den Nachrichten als VCR01/VCR02 bezeichnet wurden. Sollte es tatsächlich möglich sein, einen Impfstoff für HIV-Positive zu entwickeln, der nichts anderes tut, als die Produktion von VCR01/VCR02 zu initiieren, könnte gar eine endgültige Heilung von AIDS in ferner Zukunft rein theoretisch denkmöglich sein. Bis zu den ersten klinischen Studien - es existiert bislang nur ein Konzept, aber kein Impfstoff - dürfte mindestens noch ein Jahrzehnt intensiver Laborforschung notwendig sein.

Momentan laufende Studien

Momentan laufen 17 Phase-I Studien (Sicherheits- und Verträglichkeitsstudien). Erfahrungsgemäß werden es nur wenige davon in die nächste Phase IIa (Dosisfindungs- und Detailfragentudie) schaffen. In Phase IIa befinden sich folgende Studien:

  • Studie Beginn
  • HVTN 078 Oct-09
  • NCHECR-AE1 Jul-07
  • HIVIS 03 Dec-06

Interessant sind allerdings die in Phase IIb (Proof of Concept Studie) befindlichen Studien:

  • Studie Beginn Organisation
  • HVTN 205 Jan-09 GeoVax, HVTN
  • HVTN 505 Jul-09 NIAID, HVTN

Somit werden in den nächsten Monaten erste vorläufige Ergebnisse von diesen beiden Studien zu erwarten sein. Es ist dann nicht auszuschließen, daß eine der beiden Studien positiv ausfallen könnte, was dann eine Phase-III Studie (Wirksamkeits- und Zulassungsstudie) nach sich ziehen könnte. Selbst bei negativem Ausgang werden hier neue Erkenntnisse gewonnen, was neue Studienkonzepte nach sich ziehen wird. Der Zeitrahmen von 7-10 Jahren bis zu einer wirklich erfolgreichen Phase-III Studie ist somit durchaus als realistisch zu betrachten. Derzeit liegt der Schwerpunkt noch bei einer Impfung mit Adenoviren als Vektoren. Diese haben allerdings in der STEP Phase-III Studie kein positives Resultat erzielt. Wichtigste Organisation ist das HVTN.

Quelle

Teile des Artikels wurden von der Site "unserer" geliebten DAH übernommen

Links

Impfung, Mikrobizide und Co.