Hannchen-Mehrzweck-Stiftung

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Die Hannchen-Mehrzweck-Stiftung (HMS) ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, kulturelle und emanzipatorische Projekte der Lesben- und Schwulenbewegung zu unterstützen. Die HMS unterliegt der Stiftungsaufsicht durch die Berliner Senatsverwaltung für Justiz gemäß den Vorschriften des Berliner Stiftungsgesetzes.

Geschichte

Andreas Meyer-Hanno, Schwulenaktivist („Hannchen Mehrzweck“), Hochschullehrer und Opernregisseur, stellte im Jahr 1991 große Teile seines Privatvermögens als Stiftungskapital für die Gründung der HMS zur Verfügung.

Andreas Meyer-Hanno war der deutschen Schwulenbewegung eng verbunden und verfolgte in seinem Wirken über Jahrzehnte hinweg das Ziel, die gesellschaftlichen Handlungsspielräume von Lesben und Schwulen auszuweiten und die Grundlagen für eine emanzipatorische Lesben- und Schwulenbewegung dauerhaft zu festigen.

Er war an der Gründung verschiedener Organisationen und Initiativen beteiligt, dabei kommt neben der HMS der Homosexuellen Selbsthilfe e.V. eine besondere Bedeutung zu. Sie kann als Vorgängerorganisation der HMS gelten und wurde bereits im Jahr 1980 ins Leben gerufen. Die beiden Organisationen arbeiten eng zusammen.

Nach seinem Tod im Jahr 2006 hat Andreas Meyer-Hanno die HMS in seinem Testament bedacht; zusammen mit weiteren Zustiftungen beläuft sich das Stiftungskapital inzwischen auf rund eine Million Euro. Die Anlagestrategie der Stiftung orientiert sich an zwei Prinzipien: dem Werterhalts des Stiftungsvermögens und der Nachhaltigkeit der Vermögensanlage.

Förderung durch die HMS

Die HMS fördert als gemeinnützige Stiftung ausschließlich Anträge von Organisationen, die als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt wurden, in der Regel sind dies eingetragene Vereine aus dem Umfeld der Lesben- und Schwulenbewegung. Der Satzungszweck der antragstellenden Organisationen muss sich im weiten Sinne den Bereichen Erziehung, Volks- und Berufsbildung zuordnen lassen.

Die Fördermittel gewinnt die HMS aus den Kapitalerträgen der Stiftung und aus Spenden, die steuerlich absetzbar sind. Jährlich werden derzeit Förderungen in Höhe von rund 30.000 Euro ausgeschüttet. Der Zuschuss je Projekt liegt in der Regel zwischen 500 und 4.000 Euro. Seit Gründung der Stiftung wurden rund 200 Projekte mit insgesamt 262.000 Euro unterstützt (Stand Januar 2009).

Die Mittel werden ausschließlich als Zuschüsse vergeben, die inhaltliche Ausrichtung der Förderanträge muss vom Stiftungszweck gedeckt sein. Die Vergaberichtlinien der Stiftung sehen vor, dass von den Antragstellern Eigenleistungen in das Projekt einfließen müssen, die bei der Abrechnung in vollem Umfang zu berücksichtigen sind. Antragsformulare können auf der Internetseite der HMS heruntergeladen werden.

Der Anteil der lesbischen und schwulen Antragsteller ist gegenüber den Anträgen aus der Schwulenbewegung über Jahre hinweg stetig gewachsen. Dementsprechend hat sich auch die Zusammensetzung des Stiftungsvorstandes verändert: ihm gehören heute zwei lesbische Frauen und drei schwule Männer an.

Durch eine Zustiftung des Historikers Wolfram Setz wurde 2006 innerhalb der HMS ein Themenfonds eingerichtet: der Karl-Heinrich-Ulrichs-Fonds. Die HMS unterstützt aus den Erträgen dieses Fonds und aus zweckgebundenen Spenden Initiativen zur Erforschung, Dokumentation und Darstellung der Geschichte der Homosexuellen.

Geförderte Projekte (Beispiele)

  • Coming-Out-Beratungstelefon in Duisburg
  • Errichtung des Frankfurter Engels, des Mahnmals Homosexuellenverfolgung auf dem Klaus-Mann-Platz in Frankfurt am Main
  • Produktion eines Videos für Aufklärungsarbeit in Schulen für FLUSS e.V. - Freiburgs Lesbisches und Schwules Schulprojekt[1]
  • Michael-Schmidpeter-Preis, Wettbewerb an bayerischen Schulen zum Thema Homosexualität, Ausrichter: Jugendnetzwerk Lambda Bayern e.V.[2]
  • Jugendkreativwettbewerb Hands of Courage gegen Homophobie 2008 und 2009, Ausrichter: Maneo (Mann-O-Meter e.V., Berlin)[3]
  • Egohelden, ein Jugendtheaterstück über Diskriminierung und Ausgrenzung schwuler Jugendlicher in Schulen und Sportvereinen 2008[4]

Organe

Die HMS wird von einem rein ehrenamtlich tätigen Vorstand geleitet; dieser wird in seinen Vergabeentscheidungen vom Stiftungsbeirat der HMS kontrolliert. Der HMS-Vorstand entscheidet in regelmäßigen Sitzungen über die Vergabe von Fördermitteln.

Der Beirat setzt sich aus sieben Persönlichkeiten der Lesben- und Schwulenbewegung zusammen, zu ihm zählen – gemäß den Vorgaben der Stiftungssatzung – auch die Mitglieder des Vorstandes der Homosexuellen Selbsthilfe e.V.; auch diese sind ehrenamtlich tätig. Der Beirat ist u.a. für die Wahl und Abberufung der Vorstandsmitglieder zuständig.

Der Vorstand der HMS (2009):

  • Klaus Müller (Göttingen), Vorsitzender
  • Karen Nolte (Würzburg), stellvertretende Vorsitzende
  • Bettina Schneider (Göttingen)
  • Josef Schnitzbauer (Frankfurt am Main)
  • Klaus Stehling (Frankfurt am Main)

Der Beirat der HMS:

  • Martin Dannecker, Berlin
  • Michael Holy, Frankfurt am Main
  • Michael Kloss, Frankfurt am Main
  • Dieter Schiefelbein, Frankfurt am Main
  • die Vorstandsmitglieder der Homosexuellen Selbsthilfe

Quellen

Weblinks